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Die
Geschichte von einem ehemaligen Ford-Standort in Goslar. Und
meine eigene Geschichte.
Dieser Bericht
stellt meine ganz persönliche
Meinung dar. Ich habe mich bemüht,
keine Persönlichkeitsrechte zu verletzen oder
Personen zu verunglimpfen.
Sollte mir das nicht gelungen sein, reicht eine
einfache
Mail zur Abstellung.
Einige Passagen fallen unter die Rubrik "Satire", sind aber
wirklich vorgekommen.
1990
Ab dem 1.1.1990
waren wir nun:

Die Übernahme erfolgte durch die
Firma Jahns, einem Ford-Händler mit Stammsitz in Hildesheim, dort
auch 1925 von Wilhelm J. gegründet, zur Zeit der Übernahme von
Peter J. geführt. Sohn Achim leitete zunächst den Goslarer
Betrieb, später dann die gesamte Firma von Hildesheim aus.
Unser neuer Chef
war ein sehr sehr guter Rhetoriker. Als Redner machte er auch einen
sehr sympathischen Eindruck. Als Freund, Vereinskameraden oder ähnlichem
mochte man ihn bestimmt haben - als Chef jedoch nicht. Als
Dipl.-Kfm. hatte er ein ausgezeichnetes kaufmännisches Wissen
-zumindest auf dem Papier- aber
leider überhaupt keine Menschenkenntnis. Auch die Fähigkeit, Mitarbeiter zu
führen und zu motivieren fehlte im gänzlich.
In der Fordriege galt er
als arrogant und hochnäsig, ohne wirklichen Sachverstand. Es
ist mir niemand aus der Fordriege bekannt, der eine positive
Einschätzung hatte. Ich weiß nur, das die
Fordaussendienstler über den Vater versucht haben, eine
generelle Änderung in Goslar zu erreichen. Allerdings ohne
Erfolg - der Vater war wohl nicht mehr in der Lage, richtig
einzugreifen.
Vorbei waren
jetzt die Zeiten als Leistung noch belohnt wurde. Von nun an wurde
nur belohnt, wer sich durch immer gleiche (inhaltslose) Phrasen in den Vordergrund
schieben konnte. Quatschen war angesagt, eine eigene Meinung war
jetzt Ketzerei und Blasphemie.
Vom Chef
geförderten Mitarbeiter haben der Firma eine Menge Geld gekostet.
Leider hat Herr J. nur auf die geleisteten Arbeitsstunden geachtet,
nicht auf die Effektivität und schon gar nicht auf korrekte
Abwicklungen.
Was wir alle
vorher nicht kannten, gab es nun auch in unserer Firma:
Mitarbeiterfluktuation. Hauptsächlich im Verkaufs- und
Ersatzteillagerbereich.
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Wenn man sich für
Evolution interessierte, konnte man jetzt als
Zeitzeuge eine Reise in die Vergangenheit machen.
Was in der wahren Evolution Jahrtausende dauerte,
ging jetzt im Handumdrehen rückwärts: Aus aufrechten Menschen mit Wirbelsäule wurden
innerhalb weniger Monate rückratlose Schleimer und
Kriecher. Dieser Evolutionsprozess war aber zwingend
erforderlich, wenn man eine gute Position in dieser
Firma erreichen wollte. Man munkelte, das nach der
Übernahme durch Firma Brau (im 3. Kapitel zu lesen),
sogar ein Zebrastreifen vor dem Chefbüro
eingerichtet werden sollte. So wolle man verhindern,
das die Kriecher von den Radfahrern überfahren
werden. Ich selbst habe diesen Zebrastreifen aber
nie gesehen, da ich nur zum Chef ging, wenn ich
gerufen wurde. Ansonsten hatte ich kein
Mitteilungsbedürfnis. |
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Jetzt erinnerte ich mich
auch ganz stark an das Buch "Das Peter-Prinzip" von Laurence J.
Peter. Wenn Sie davon noch nichts gehört haben,
dann googeln Sie einfach mal nach "Peter-Prinzip".
Ganz kurz: Nach einer gewissen Zeit wird jede Position
von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seine
Aufgaben zu erfüllen. Die Arbeit wird von den Mitarbeitern
erledigt, die ihre Stufe der Inkompetenz noch nicht erreicht
haben.
Laut Laurence J. Peter (u.A.
Universitätsprofessor) gibt es noch den "paternalistischen
Zugang": Hier handelt es sich um eine Eigentümlichkeit
von Familienunternehmen. Der Sohn des Unternehmers dient
nicht von der Pike auf, um dann das Oberkommando zu
übernehmen, sondern er steigt gleich oben ein, überspringt
also gewissermaßen einige Klassen. So erreicht er nur
schneller die Stufe seiner Inkompetenz.
Bedingt
durch die Wiedervereinigung und unserer nahen Lage zur ehemaligen
DDR kam es zu einem unglaublichen Boom. Auto wurden wie warme
Semmeln verkauft. Da blieb natürlich Geld über. Während andere
Firmen in dieser Zeit ihren Mitarbeitern Prämien zahlten, bekamen
wir noch nicht einmal ein "Danke". Na gut, das ist eine andere
Sache. Dafür wurde uns dann später das bis dahin bezahlte Fahrgeld gestrichen. Auch die
tariflich vereinbarten Überstundenzuschläge wurden gestrichen.

Mein
Granada Ghia V6 Automatic, gefahren 1991. Viel Gas - sehr
viel Benzin :-)

1995
Bald kam es zu einer
riesigen Investition: In Hildesheim wurde eine neue
Zentrale auf einem neuen Gelände gebaut. Einige
nannten es überdimensioniert, andere einfach
"Palast".
Die
Ford-Werke haben Peter J. schriftlich vom vollkommen
überzogenen Bau abgeraten und um Mäßigung gebeten.
Auch, weil sich der Verkauf des alten Betriebes
zerschlagen hatte und finanzielle Schwierigkeiten
erkennbar waren.

Der rot gekennzeichnete Bereich zeigt zum Vergleich
das Betriebsgelände der alten Firma, welches Sie im
kleineren Bild sehen können:

In Goslar wurde das alte Gebäude
abgerissen .Es entstand eine komplett neue Firma. Lediglich die alte
Verkaufshalle wurde in das neue Gebäude integriert.
Während des Neubaus wurde das Geschäft normal
weitergeführt. Mein vorläufiger Arbeitsplatz war
jetzt in der Ausstellungshalle. 5 bis 6 m von mir
entfernt wurde mit dem Preßlufthammer gearbeitet.
Folge bei mir: Tinnitus. Und das bis heute.

Dieser Vorfall wurde auch in das von der
Berufsgenossenschaft vorgeschriebene
"Verletztenbuch" eingetragen. Obwohl alles genau
protokolliert wurde: 30.10.95 7 Uhr 15, alle
Anzeichen einer Lärmeinwirkung bei mir festgehalten
wurden, bekam ich beim Sozialgericht in Braunschweig
kein Recht. Urteil des Richters: "Kann auch Zufall
sein, das Sie seitdem Tinnitus haben". Als
Frechheit empfand ich die Auskunft meines Chefs, der
schrieb "Ich konnte keinen Lärm feststellen".
Besonders paradox, da er bei dem Lärm selber
forderte, das die Arbeiter leiser hämmern sollten.
Und das, wo er ein Stockwerk darüber arbeitete.
Vermutlich hatte er Angst, das er irgendwelche
persönlichen Nachteile hätte. Das er mir dadurch
geschadet hat, nehme ich ihm aber krumm.
Über den Hildesheimer Palast kann ich nichts näheres
berichten. Das neue Gebäude in Goslar war jedoch
-zumindest in Hinsicht auf die Temperaturen- eine
Katastrophe. Das Gebäude war nicht richtig warm zu
bekommen, ausser im Sommer. So waren Temperaturen
von 10 Grad und weniger im Winter normal. 35 Grad
und mehr im Sommer auch. Da konnte man keine
Konzentrationsarbeit mehr durchführen.

(für
eine vergrösserte Abbildung bitte das Bild anklicken)
Na ja, später gab es dann im Chefbüro eine
Klimaanlage und überall zusätzliche
Elektroradiatoren. Was
da an Strom verpulvert wurde, kann sich jeder selbst
ausrechnen. So hatte man zwar im Winter immer noch steife
Finger, aber schön warme Füße.
Wie ich schon schrieb: Mitarbeiterfluktuation war
etwas neues für uns. Es wurden Leute eingestellt, die
nicht zur alten Crew passten. Und was für
Leute..... Armer Herr J.: Null Menschenkenntnis
- und voll auf das Gerede reingefallen. Das war nun
aber so: Leistung zählte nicht mehr, labern musste
man können. Wenn es auch immer die gleichen Parolen
waren.
Schließlich hat es ein "neuer" geschafft, (Zitat
Chef: "Ein Top-Verkäufer"), die Firma um über
250.000 DM zu erleichtern. Na ja, Pech gehabt. Nur
blöd, das die, die vorher vor diesem Mann gewarnt
hatten, Recht bekommen haben. Und eigentlich hatte
in dieser Firma ja immer nur einer Recht...

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Das
komische an dieser Unterschlagungssache war, das dieser
Mitarbeiter juristisch nicht verfolgt
wurde. Bei seinem vorherigen Arbeitgeber
hatte er ähnliches gemacht - und bei den nachfolgenden
mit Sicherheit auch. Teilweise soll er sogar als "Dr.
Jürgen H." aufgetreten sein. Warum keine
Anzeige erfolgt: Darüber gibt es nur Spekulationen, die
ich hier nicht veröffentlichen will.
Dieser Mitarbeiter (Schadenshöhe 250.000 DM) kam also
ungeschoren davon, während ein "niedriger" Mitarbeiter
beschuldigt wurde, einen Eimer Farbe gestohlen zu haben.
Dieser Mitarbeiter wurde dann mit aller Härte
strafrechtlich verfolgt. |
Woran es nun genau lag, das die Firma Insolvenz
anmelden musste, entzieht sich meiner Kenntnis. Es
gibt mehrere Theorien, aber ich kann keine
bestätigen. Und so verzichte ich auf die
Veröffentlichung von Mutmaßungen. Es hätte dem Chef
aber gut zu Gesicht gestanden, wenn er die
Belegschaft aufklärt hätte. Schließlich haben einige
von Ihnen auf einen Teil ihres Gehalts verzichtet.
Da wäre ein klärendes Wort schon angemessen und fair
gewesen.
Mitgespielt hat mit Sicherheit aber das fehlende
Vertrauensverhältnis zwischen Geschäftsleitung und
Belegschaft, sowie falsche Personalbesetzung. Und
letztendlich haben die Banken -und auch die
Ford-Werke- mit Sicherheit ihren Teil dazu beigetragen.
Für den Erfolg eines Unternehmens sind
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein
entscheidender Faktor. Qualifiziertes
Personal war vorhanden, es wurde aber
vernachlässigt. Als Chef hätte Herr J.
natürlich die Unternehmensziele im Blick
behalten müssen, sich aber auch auf
unterschiedliche Personen mit
verschiedenen Stärken und Interessen
einstellen müssen. Leider hat er erst
gar nicht versucht, alle Mitarbeiter
richtig zu integrieren.
Zum Schluß war aus dem ehemaligem TEAM nur noch eine
gespaltene Belegschaft übrig. Dummschwätzer fühlten
sich bestätigt, altgediente Mitarbeiter hatten
innerlich schon gekündigt.
2000
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Nachdem ich 1975 wieder neu in die Firma eingetreten
war (immerhin hatte man mich gebeten, wieder anzufangen), hatte ich also im Jahr 2000 mein 25 jähriges,
ununterbrochenes Firmenjubiläum. Wer nun denkt, das es
da ein Präsent oder einen feuchten Händedruck gab, der
irrt sich gewaltig. |
Ich
habe all die Jahre zuverlässig gearbeitet, es gab keine
Unregelmäßigkeiten. Ich habe mich immer arrangiert und war
100% loyal. Wer nun meint, das bescheinige ich mir lediglich
selbst, der kann gern beim damaligen Betriebsleiter
nachfragen. Leider ist meine direkte (aber immer korrekte)
Art bei der Geschäftsleitung nicht angekommen. Da man mir
auf Grund meiner Arbeit nichts ans Zeug flicken konnte,
(auch wenn man auf mich
achten sollte...!) hat man mich wenigstens mit Mißachtung
gestraft :-)
Die
Quantität der Arbeit hat mich bis dahin derart überfordert,
das mir die Krankenkasse im Jahre 2000 eine Erholungskur
genehmigte. Entgegen dem Rat der Ärzte habe ich die Arbeit
in dieser Firma aber wieder aufgenommen. Irgendwie (und im
Nachhinein völlig zu Unrecht) habe ich mich mit der Firma
verbunden gefühlt. Aber das ging anderen genau so.
Mein Antrag auf Rente wurde
in diesem Jahr abgelehnt. Vermutlich, weil ich die Arbeit
wieder aufgenommen habe.


Grillen während der Mondeo-Vorstellung 2000
2001
Per 31.12.2001
war nun also Schluß mit der Epoche Jahns, und es folge die nächste
und letzte Epoche: Brau!
Was da so passierte, lesen Sie im
nächsten Kapitel!
Heute ist Achim
J.
wieder als Geschäftsführer tätig. [Siehe
HIER]
Dort gab es wohl auch schon "Schwierigkeiten":
"...Darin
erhob sie schwere Vorwürfe vor allem gegen Geschäftsführer Achim
J-....". Kompletter Artikel
[siehe HIER]

Mit Urteil vom 12. Mai 1998 hat das
Landgericht Hamburg entschieden, dass Betreiber von Webseiten durch
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