|
Die Geschichte von einem ehemaligen Ford-Standort in Goslar. Und meine eigene Geschichte.
1967 Als ich 1967 als kaufmännischer Lehrling in die Firma eintrat, bestand diese schon über 40 Jahre. Ein Zeitraum, den kein Nachfolger auch nur annähernd wieder erreichen sollte.
Etwas später wurden dann die Spikes erfunden. Das waren Reifen mit kleinen "Nägeln" drin, die sich bei Eis und Schnee auf der Straße festkrallten. Leider etwas zu fest - die Straßen sahen bald etwas mitgenommen aus. So wurde das wieder abgeschafft. Das nur zur Einleitung. Nun zur Firma: Autohaus Köhrich KG, später GmbH & Co., war ein reiner Familienbetrieb, der von Ernst Köhrich geführt wurde. Seine Frau Clara arbeitete im Verkaufsbüro. Tochter Renate (verheiratete Treue) hatte die kaufmännische Leitung in der Hand, Schwiegersohn und Kfz-Meister Gerd Treue die Werkstattleitung. Sohn Ernst jun. war Autoverkäufer (heute "Verkaufsberater" genannt), Schwiegertochter Ingeborg im Verkaufsbüro tätig. Zu dieser Zeit wollte auch jeder reich werden. Aber nicht im Hau-Ruck-Verfahren - und nicht von heute auf morgen. Kontinuität war angesagt. So hat diese Firma die Familie Köhrich auch reich gemacht -im Verhältnis zu einem "Normalbürger"- aber es wurde nicht rumgeprotzt. Und man konnte diesen Reichtum auch erlangen, ohne das man seinen Mitarbeitern gegenüber ein schlechtes Gewissen haben musste. Gewissen - auch so etwas von früher. Heute -genau wie soziale Verantwortung- nicht mehr gebräuchlich. Die älteren werden sich noch erinnern.
Es gab auch mal schlechte Zeiten, in denen der Verkauf nicht so gut lief und die Werkstatt leer war. Aber ich habe nicht mitbekommen, das deswegen mal jemand gekündigt wurde. Die Zeit wurde einfach überbrückt. Ein Mal wurde Kurzarbeit beantrag und auch genehmigt. Ich kam also am 1.4.1967 zum ersten Mal in diese Firma und durfte mein 1. Ausbildungsjahr in der Buchhaltung verbringen. An den Namen des ersten Buchhalters kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich glaube Sievers oder Siebert. Ich weiß nur noch, das es in der Buchhaltung sehr sehr still war. Nur das ticken der Uhr war zu hören. Gesprochen wurde nicht. Höchstens, wenn mal jemand durch das Büro ging. Wenig später wurde die Buchhaltung dann von Frau Marianne Buchholz geführt. Und zwar nach allen Regeln der Buchhaltungs-Kunst. Genauigkeit war das oberste Gebot. Ich durfte ellenlange Tabellen zusammenrechnen, querrechnen und abgleichen. Natürlich ohne Rechenmaschine. Wenn die Tabellen durch das viele Verbessern unansehnlich wurden, dann hatte Frau Buchholz kein Problem damit, mir alles zu zerreißen. Also noch mal von vorn... Manchmal habe ich sie schon gehasst. Aber nicht wirklich... Diese Genauigkeit hat mich für mein ganzes weiteres Berufsleben -und auch im Privatleben- geprägt. Manchmal war es mir schon unangenehm, so genau zu sein. Aber so ist das nun mal: In den jungen Jahren wird man für das spätere Leben geformt. Ich glaube, ich habe einen einigermaßen guten Start hingelegt. So konnte ich schon im 1. Lehrjahr (ich war erst 16 Jahre alt), für 2 Wochen die Buchhaltung (fast) alleine machen: Kassen kontieren und mit der "Lieselotte" (ein Ungetüm von mechanischer Buchungsmaschine) verbuchen. Und noch ein paar Sachen mehr... Im 2. Lehrjahr kam ich dann in das Betriebsbüro. Eng verbunden mit dem Ersatzteillager und der Werkstatt. Dort kam ich dann auch erstmals mit der Technik in Berührung. Das war gut, denn eigentlich wollte ich ja mal einen technischen Beruf erlernen. So habe ich diese Arbeit immer mit Spaß gemacht - und das Ergebnis war nach meiner Einschätzung auch entsprechend. Als der verantwortliche Angestellte des Betriebsbüros wegen eines anderen Jobs kündigte, fragte mich der Chef "...wollen Sie das nicht machen? ". Natürlich habe ich zugesagt! Außerdem gab es etwas auf den Lehrlingslohn drauf: Statt 100 DM im 2. Lehrjahr bekam ich 150 DM. Immerhin... So habe ich dann auch das 3. Lehrjahr im Betriebsbüro verbracht und somit den Lehrplan nicht ganz eingehalten, der eigentlich "Buchhaltung - Verkauf - Lager" vorsah. Ich war da ganz glücklich drüber. Zugegebener Weise war ich in der Schule nicht besonders fleißig. Diese Theorie war nichts für mich - und außerdem mehr als langweilig. Zwei Wochen vor dem Prüfungstermin nahm ich Urlaub, um den gesamten Lehrstoff zu pauken. Außerdem musste ich ja noch meine Berichte schreiben. Das hatte ich 2 Jahre lang vollkommen vergessen... So machte ich meine Abschlußprüfung nur mit der Note 3. Ich war aber zufrieden - was konnte man in 2 Wochen mehr erreichen? 1972
Nach Abschluss der Ausbildung
habe ich dann noch bis April 1972 "selbstständig und
eigenverantwortlich" im Betriebsbüro gearbeitet. Die
Arbeit hat mir immer Spaß gemacht - und fair behandelt wurde ich
auch immer. Zumindest habe ich die anderen Sachen vergessen.1972 und 1973 war ich bei der Bundeswehr. Eine Einheit, die es heute -genau wie Firma Köhrich- nicht mehr gibt: Elektronische Kampfführung, kurz: ELOKA
1974 Dieses Jahr habe ich in einer großen Goslarer Firma als EDV-Operator gearbeitet. Damals ein recht neues Gebiet, das mich aber stark interessierte. So hat mich die Computerei bis heute nicht losgelassen. 1975
Mein Taunus "S", 101 PS 1975 fragte mich die Firma Köhrich, ob ich nicht wieder anfangen wollte. Zur gleichen Zeit hatte ich auch ein Angebot einer großen deutschen Behörde (die nicht besonders beliebt ist). Ich entschied mich für die Firma Köhrich, da ich mit Technik -wenn auch nur entfernt- zu tun haben wollte. Arbeitsvertrag:
Entgegen dem angegebenen Datum fing ich bereits am 1. Februar an.
1975: Meine Wenigkeit, Werkstatt-Meister Willi Herwig, Kfz-Meister Hans Kursawe und eine Auszubildende.
Im Nachhinein gesehen, war das die falsche Entscheidung. Hätte ich gewusst, was die Nachfolgefirmen für [zensiert] waren, dann hätte ich mich anders entschieden. Aber hinterher sind wir ja alle schlauer. Wie ich 2005 wegen Insolvenz gekündigt wurde, wie die ganze Belegschaft [zensiert] und belogen wurde, das können Sie im 3. Kapitel lesen.
So vergingen die Jahre. Vom Beginn meiner Zeit bei der Firma Köhrich bis zum Ende gab es eigentlich nur 2 große Änderungen: - Das Ersatzteillager und die Reparaturannahme (=incl. Betriebsbüro) zogen in die ehemalige Ausstellungshalle um, die zwischenzeitlich zu klein geworden war. - Es wurde eine neue Ausstellungshalle gebaut. 1989 Per 31.12.1989 endete der Geschäftsbetrieb der Firma Köhrich endgültig. Die Firma wurde an Autohaus Jahns, Hildesheim verkauft. Was dort so passierte, können Sie im 2. Kapitel lesen. Aber das ist noch gar nichts gegen das 3. Kapitel... ! Abschliessend kann ich sagen, das die Arbeit bei Firma Köhrich überwiegend Spaß gemacht hat. Für gute Arbeit gab es auch mal Lob und Anerkennung. Man wusste immer, wo man dran war. Es gab auch mal harte Worte: Aber am nächsten Tag hatte man alles schon wieder vergessen; man war nicht nachtragend. Das meine ich sowohl von der Arbeitgeber- wie auch Arbeitnehmerseite.Der Chefin, Frau Treue, konnte man kein X für ein U vormachen. Sie konnte praktisch alle kaufmännischen Arbeiten im Betrieb selbst ausführen -hat es teilweise auch gemacht- und konnte somit auch die Arbeit der Mitarbeiter beurteilen. Durch Selbstbelobigung "..ich kann das...., ...ich mache das...." hat sich Frau Treue (im Gegensatz zu Ihren Nachfolgern) nicht blenden lassen. Sie konnte die Arbeitsleistung Ihrer Mitarbeiter sehr gut beurteilen. Bei besonderen Gelegenheiten (Geburt, Hochheit, Jubiläum, ect.) gab es auch etwas Besonderes. Ich war in all den Jahren kein pflegeleichter Mitarbeiter, hatte immer meinen eigenen Kopf und habe mit meiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten. Schleimerei war und ist nicht meine Welt. Und wenn mir was nicht gepasst hat, dann habe ich es immer gesagt. Aber ich habe immer 100% zu "meiner" Firma gestanden und habe auch immer versucht, mindestens 110% Leistung abzugeben und meine Ideen in die Firma einfließen zu lassen. Und das ist mir auch zu 99% gelungen. Ich war nie bequem, aber immer loyal. Wer noch etwas zum Thema Köhrich beitragen möchte, kann mir gern Bilder oder sonstige Geschichten zusenden.
Heute (Stand Ende 2009) sind Tochter Renate und ihr Mann Gerd Treue im Rentenalter. Ebenso Schwiegertochter Ingeborg. Ernst Köhrich sen., Frau Clara und Sohn Ernst jun. sind bereits verstorben. Aber ab- und zu denkt man noch an paar Anekdoten, die man mit ihnen erlebt hat... Weitere Bilder, Dokumente... (wird je nach Verfügbarkeit ergänzt)
Mit Urteil vom 12. Mai 1998 hat das Landgericht Hamburg entschieden, dass Betreiber von Webseiten durch das Anbringen eines Links die Inhalte der gelinkten Seite gegebenenfalls mit zu verantworten hat. Dies kann - so das LG - nur dadurch verhindert werden, dass der Webmaster sich ausdrücklich von diesen Inhalten distanziert. Ich möchte deshalb betonen, dass ich keinerlei Einfluss auf den Linktext, die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten haben. Ich distanziere mich hiermit von den Linkformulierungen, sowie von allen Inhalten aller gelinkten Seiten auf meiner Homepage. Diese Erklärung gilt für alle auf meinen Website angebrachten Links. Eine private Homepage von Fritz Kamm, 38640 Goslar Impressum / Kontakt / Nutzungsbedingungen
|